21. Spieltag 1968 / 69 Sa., 01.02.1969

Bundesliga

1. FC Nürnberg - Hannover 96

1:2 (1:1)

1. FC NÜRNBERG:

Wabra;

Czernotzky, L. Müller;

Wenauer, Popp, Leupold;

Küppers, Cebinac, Zaczyk, Nüssing, Volkert

Trainer: Merkel

Wechsel: Beer für Volkert (46.)

Tore: 1:0 L. Müller (38.)

HANNOVER 96:

Podlasly;

Hellingrath, Anders;

Breuer, Loof, Bandura;

Bohnsack, Stiller, Zobel, Heynckes, Kettler

Trainer: Cajkovski

Wechsel: Brune für Bohnsack (63.)

Tore: 1:1 Heynckes (43.), 1:2 Kettler (82.)

-

Schiedsrichter: Spinnler

Zuschauer: 30.000

Besondere Vorkommnisse: Ludwig Müller trifft Elfmeter (38.)

Spielbericht aus der FCN - Vereinszeitung Nummer 2 vom Februar 1969

Ist das das Ende der Fußballherrlichkeit?

Mit einem klaren Sieg über die Gäste aus Niedersachsen wollte sich der Club vom letzten Platz absetzen und die rote Laterne an einen anderen Konkurrenten abgeben. Mit diesem Wunschsieg sollte eine neue Ära eingeleitet werden. Das jedenfalls war die Vorstellung von Vereinsleitung, Spielern und Trainer.

Doch es kam ganz anders. Die Clubelf erlitt eine ihrer schmerzlichsten Niederlagen. Völlig unnötig verlor sie vor 30 000 Zuschauern mit l :2 und vergrämte damit einen Großteil des Anhangs, der hoffnungsfroh ins Stadion gekommen war.

Obwohl die 96er ohne ihre „Stars" Skoblar und Siemensmeyer antreten mußten, entführten sie aus Nürnberg zwei Punkte, die bereits ganz fest auf Trainer Merkel's Pluskonto gebucht waren. Mit diesen Zählern hatte man kalkuliert, als es darum ging, festzustellen, welche Punkte man aus welchen Spielen holen könnte, um das Abstiegsgespenst endlich einmal loszuwerden.

Gegenüber der Gladbacher Begegnung spielten die meisten Akteure weit unter Form. Sie brachten nicht einmal ihre Normalform, geschweige denn die Einstellung, die man von einer gefährdeten Mannschaft nun einmal verlangen muß. Zu allem Unglück wurde der Spieler, von dem in Gladbach am meisten Wirkung ausging, Heinz Müller, auf der Reservebank gelassen.

Ohne Selbstvertrauen, ohne kämpferischen Einsatz und ohne den nun einmal erforderlichen Ehrgeiz, wurde das Spielpensum heruntergeleiert. Lediglich L. Müller, Wenauer und Zaczyk machten da eine Ausnahme. Auch Czernotzky und Nüssing bemühten sich, doch dann gerät die Kritik in die negative Benotung.

Popp verstand es selten, seinen Gegenspieler wirksam zu bremsen. Leupold lieferte eine erschreckend schwache Partie und stellte damit wieder einmal unter Beweis, daß ihm für den Spielaufbau die Übersicht fehlt. Seine Stärke liegt in der defensiven Aufgabe. Torhüter Wabra kann man nicht unbedingt die Schuld am zweiten Treffer der Niedersachsen ankreiden, ein entschlosseneres Eingreifen hätte man sich aber doch gewünscht.

Im Sturm konnte Cebinac überhaupt nicht überzeugen. Er war ein totaler Ausfall und zeigte während des gesamten Spielgeschehens nicht ein einziges Mal etwas von den Fähigkeiten, die einen „echten" Außenstürmer auszuzeichnen pflegen. Mit Cebinac ist vielleicht sein Landsmann und 96-Trainer Caykowski, ganz sicher aber nicht Max Merkel zufrieden gewesen. Volkert „tanzte" nur eine Halbzeit lang, von ihm ging auch erschrek-kend wenig Wirkung aus. Wegen einer fiebrigen Erkrankung tauschte ihn Trainer Merkel im zweiten Abschnitt gegen Beer aus. Küppers unterliefen gleich zu Spielbeginn einige Fehlpässe, die sein Selbstvertrauen so stark beeinflußten, daß er mit fortschreitender Spieldauer völlig unterging.

Während die Clubreihen wie gelähmt wirkten, stolzierten Hannovers Amateure und Reservisten frisch, fromm und frei über den Rasen, selten attackiert von einem Nürnberger Gegenspieler, und selbst mit einem Einsatz, der einen Uneingeweihten auf den Gedanken hätte bringen können, Hannover müßte etwas gegen den Abstieg tun. Taktisch gut eingestellt, zeigten Caykowskis Schützlinge keinen Respekt. Nahtlos zog sich der Faden von der Abwehr zum Angriff, ideenreich wurde kombiniert und häufig blitzschnell gekontert. Die moderne Spielauffassung demonstrierte am treffendsten Stopper Breuer, der häufig mit nach vorn ging und Wabra am meisten prüfte. Das war das Charakteristikum an diesem Treffen: Bei Hannover war alles in Bewegung, Verteidiger wurden zu Stürmern und Stürmer zu Abwehrspielern, kurz, es war Leben im Spiel. Das Gegenteil auf der Clubseite: Behäbige Spielzüge, wenig Stellungswechsel und schon gar kein Einsatz.

Die bitteren neunzig Minuten sind um. Es hat jetzt keinen Sinn zu zetern, aber es liegt auch kein Grund vor, den Kopf in den Sand zu stecken und auf bessere Zeiten zu hoffen. Aus den nächsten 13 Spielen müssen immerhin etwa 15 Punkte geholt werden. So schwer die Aufgabe ist, sie müßte sich lösen lassen.

Zum Schluß noch ein Wunsch des Chronisten an die Verantwortlichen: Laßt einen Mann wie Heinz Müller, der zu kämpfen weiß, nie aufsteckt und seiner Mannschaft Impulse geben kann, in solch einem wichtigen Spiel nicht wieder auf der Reservebank sitzen.

H. Röder

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