18. Spieltag 1965 / 66 Sa., 08.01.1966

Bundesliga

1. FC Nürnberg - Werder Bremen

2:1 (0:0)

1. FC NÜRNBERG:

Wabra;

Hilpert, Ferschl;

Leupold, Wenauer, Reisch;

Allemann, Wild, Brungs, Strehl, Volkert

Trainer: Csaknady

Karten: ---

Tore: 1:0 Reisch (56.), 2:1 Wild (76.)

WERDER BREMEN:

Bernard;

Piontek, Höttges;

Schimeczek, Steinmann, Lorenz;

Zebrowski, Danielsen, Dausmann, Fer­ner, Hänel

Trainer: Brocker

Karten: ---

Tore: 1:1 Höttges (61.)

-

Schiedsrichter: Ott (Rheinbrohl)

Zuschauer: 35.000

Besondere Vorkommnisse: Reisch verschießt Elfmeter (49.)

Spielbericht aus der FCN Vereinszeitung Nummer 2 vom Februar 1966

Club schlägt den Deutschen Meister

Das war kein „schönes" Spiel und Werder ein sehr unbequemer Gegner. Und doch hätte es das Spiel des Jahres werden können, wenn - ja wenn nicht Eis und Schnee den Spaß verdorben hätten. Die extremen Bodenverhältnisse behinderten die einzelnen Akteure recht unterschiedlich. Die athletischen Kämpfer von der Waterkant - wer hätte das vorausgesehen? - kamen mit diesen Tücken des Spielgrundes besser und schneller zurecht als so manches unsrer Leichtgewichte. Daß aber der Leichtesten einer, Steff Reisch nämlich, auf solchem Eisparkett hinwiederum wie eine Primadonna aufzutanzen verstand, beweist, daß der Tausendsassa wieder da ist!

Eine reichlich kuriose Schau lief da vom Stapel, anständig so gerade noch, aber ... hart, hart bis an die Grenzen, vom tückischen Spielfeld her laufend gemixt mit Zufall und Unzulänglichkeit.

Der Meister aus Bremen war also ein schwer verdaulicher Brocken, er wäre es nicht weniger auch auf grünem Rasen gewesen. Von allen Bundesligagegnern, die bislang in Nürnberg aufkreuzten, versteht keiner die Manndeckung, das kompromißlose Aufräumen, aber auch den Aufbau aus der Abwehr so perfekt wie diese Elf. Sie wird wohl auch heuer wieder die wenigsten Verlusttore hinzunehmen brauchen. Und das ohne „Mauerei", immer parat zu blitzschnellem Umschalten auf Offensive.

Auf beiden Seiten kommt der Sturm diesmal schlechter weg in der Beurteilung als die Abwehr. Ist das Angriffsspiel an sich schon der schwierigere Part auf grünem Rasen, so trifft dies noch viel mehr zu unter solch erschwerten Umständen in den plattgetretenen Strafraumzonen, Es ging dabei den Norddeutschen nicht besser als den Unsrigen, ihre Fünferreihe kam noch dazu sowieso nicht mit Vorschußlorbeeren.

Daß unsere Elf gegen diese Bombenabwehr dennoch zwei Tore erzielte, ja mit einem annullierten Treffer und einem verschossenen Foulelfmeter sogar eine reichere Ernte hätte einbringen können - und gar nicht unverdient hätte einbringen können, muß wohl anerkannt werden. Allemann behagte der Boden (und sein derber Gegenspieler!) wohl am allerwenigsten und erst in der zweiten Halbzeit ging es besser. Brungs und Strehl kamen nicht so heraus, wie sonst auf gutem Boden. Inmitten einer rauhen, kämpferischen Gangart operierte Reisch elegant wie kaum je auf grüner Matte, drechselte ein Tor, das entzücken machte, und blieb bei aller Wirkung fair und mannschaftsdienlich. Daß er gleich zweimal vom Schiri - natürlich ungewollt - „gefoult" wurde, ließ erkennen, wie neckisch es zuging auf solchem Boden. Wabra hatte einen schwarzen Tag. Fast noch im Beifallsrausch für das Führungstor ließ er einen „langen" Ball aus den Händen ins Tor rutschen, ein arger Dämpfer auf soviel Begeisterung! Zum Spielende - nachdem Wild aus dem Stand mit schlankem Schuß das Unheil repariert hatte - wurde es noch recht mulmig vor seinem Kasten. Bei einer riskanten Abwehr bekam er Zebrowskis Knie vor die Nase und hatte Mühe, mit der Verletzung die restlichen zehn Minuten durchzustehen.

Es läuft also wieder beim Club, sind ihrer ja wieder acht aus der Zabojugend, die spielen dürfen, wie sie's gelernt. System hin - System her, können muß man's halt, das Fuß­ballspielen! Selbst gegen englische Härte hilft immer noch eines: sie mit Spielwitz auszutrumpfen. Das geht auch auf Eis und Schnee.

Noch hat Herr Csaknady nicht alle Waffen scharf gemacht. Aber hat er nicht den linken Läufer wieder blank geschliffen und den „verlorenen Sohn" zurückgebracht? Der Club ist nicht K. o. und nicht - das Clubspiel!

Pelzner

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